Die leisen Wege der Schären

Ich wollte dir schreiben, seit ich heute Morgen aufgewacht bin und die Luft schon nach dem vollen Sommer schmeckte, warm und schwer, mit diesem besonderen Licht, das es nur um diese Zeit im Juli gibt.

Ich bin früh raus, bevor irgendjemand sonst wach war. Die Wege zwischen den Inseln kenne ich mittlerweile so gut, dass ich sie fast blind finden könnte – die schmalen Passagen, wo das Wasser zwischen zwei Felsen kaum breiter ist als das Kanu, die Stellen, an denen man langsamer werden muss, weil der Grund näher kommt, als man denkt.

Ich musste an dich denken, an diesen Nachmittag, an dem wir hier zusammen gepaddelt sind und du gesagt hast, du könntest dir vorstellen, für immer zwischen diesen Inseln zu bleiben. Ich habe damals nichts gesagt. Ich glaube, ich wollte den Satz einfach nur hören, ohne ihn zu beantworten.

Der Bogen lag heute wieder nur neben mir. Ich habe ihn nicht einmal aus der Hülle genommen. Manchmal braucht es keinen Pfeil, um zu wissen, dass man an der richtigen Stelle ist.

Ich habe an einer der kleinen Buchten angehalten, an der das Wasser so klar ist, dass man den Grund zählen könnte, wenn man wollte. Ich habe eine Weile dort gesessen und mir vorgestellt, wie es wäre, wenn du jetzt neben mir sitzen würdest, ohne dass wir reden müssten. Manche Stille braucht keine Erklärung. Sie ist einfach nur da, wie das Wasser, wie die Kiefern, wie der leise Weg zwischen den Inseln, den ich heute wieder allein gegangen bin, aber nicht ganz allein gefühlt habe.

Ich weiß nicht, ob ich dir das je zeigen werde. Vielleicht bleibt es einfach das hier – ein paar Zeilen, geschrieben an einem Morgen mitten im Sommer, für jemanden, der die Wege vielleicht nie betreten wird, aber trotzdem immer mitgeht, wenn ich sie gehe.

Zwischen Nähe und Distanz.

Zwischen Erinnerung und Gegenwart.


Zwischen Aussprechen und Schweigen.

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