„Wo das Licht das Wasser berührt“

Es gibt eine Stelle in der Bucht, keine hundert Meter vom Steg entfernt, an der das Licht am Nachmittag genau im richtigen Winkel auf das Wasser fällt. Für ein paar Minuten wird die Oberfläche dann nicht spiegelnd, sondern durchscheinend, als könnte man bis auf den Grund sehen, obwohl man es nicht kann.

Ich kenne diese Minuten inzwischen fast auswendig. Ich weiß, an welchem Tag im August das Licht flacher wird, wann es beginnt, orange statt gelb zu sein. Ich habe gelernt, pünktlich dort zu sein, nicht weil ich etwas erreichen will, sondern weil ich nicht verpassen möchte, wie das Wasser für diese kurze Zeit aufhört, nur Wasser zu sein.

Der Bogen liegt neben mir im Boot, unangetastet. Heute ist keiner dieser Tage, an denen ich schießen will. Heute reicht es, still zu sitzen und zuzusehen, wie sich das Licht langsam über die Wellen legt, wie es die Ränder der Felsen nachzeichnet, bevor es weiterwandert und die nächste Bucht sucht.

Ich denke an die Stellen, an denen Wasser und Licht sich berühren, ohne sich je wirklich zu vermischen. Wie zwei Dinge, die zueinander gehören, ohne eins zu werden. Vielleicht ist das der Grund, warum ich hierher zurückkomme. Nicht wegen des Wassers allein. Nicht wegen des Lichts allein. Sondern wegen dieses kurzen Moments, in dem beides gleichzeitig da ist, bevor es wieder auseinanderfällt.

Irgendwann verschwindet das Licht hinter den Bäumen auf der anderen Seite der Bucht, und das Wasser wird wieder das, was es vorher war – dunkel, undurchsichtig, gewöhnlich. Ich bleibe noch sitzen, obwohl es vorbei ist. So, wie man manchmal noch dasitzt, nachdem ein Lied zu Ende gespielt hat, weil die Stille danach noch zur Musik gehört.

Ich paddle erst los, als die Kälte durch die Jacke kriecht. Auf dem Weg zurück denke ich: Es gibt Dinge, die man nicht festhalten kann, egal wie oft man versucht, pünktlich zu sein. Man kann nur da sein, wenn sie passieren, und danach lernen, mit dem zu leben, was bleibt – ein Gefühl, kein Bild.

Zwischen Licht und Wasser.

Zwischen Ankunft und Verschwinden.


Zwischen Warten und Loslassen.

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