Zulassen beim Bogenschießen – Handwerk statt Esoterik

Viele sprechen vom „Release“. Ich spreche vom Zulassen – denn es ist kein Akt des Willens, sondern die logische Konsequenz korrekter Vorbereitung.

Das Zulassen ist der letzte Schritt im Schussablauf – und einer der entscheidendsten.
Selbst bei perfektem Stand, Referenzpunkt und Atemrhythmus kann ein fehlerhaftes Zulassen den gesamten Schuss beeinträchtigen.

„Der Bogen lehrt nicht Zielen. Er lehrt Vertrauen.“
Und Vertrauen entsteht durch Wiederholung, Präsenz und anatomische Präzision – nicht durch Worte.


Warum das Zulassen so wichtig ist

Beim Zulassen wird die im Bogen gespeicherte Energie auf den Pfeil übertragen.
Ein sauberes Zulassen erzeugt eine harmonische Schwingung und stabile Flugbahn.
Ein fehlerhaftes Zulassen stört diese Dynamik – mit messbarer Streuung.

Klarstellung:
Zulassen entsteht nicht durch Öffnen der Finger,
sondern durch die gezielte Entspannung der Sehnenhand, sobald die volle Rückenspannung am Referenzpunkt erreicht ist.


Häufige Fehler beim Zulassen – und ihre Ursachen

1. Aktives Öffnen statt Zulassen

Der Schütze versucht, die Finger bewusst zu öffnen.
Folge: seitliche Ablenkung des Pfeils.
Ursache: mangelndes Vertrauen in die Rückenspannung.

2. Plucking (seitliches Wegziehen)

Die Sehnenhand bewegt sich nach außen weg vom Gesicht.
Folge: instabile Pfeilschwingung, Streuung links/rechts.
Ursache: Armkraft statt Schulterblattbewegung.

3. Vorzeitiges Zulassen

Schuss vor der Atempause.
Folge: inkonsistente Flugbahn.
Ursache: fehlende Schussroutine.

4. Fehlendes Follow-Through

Bogenhand springt nach vorn, Blick wandert ab.
Folge: unterbrochener Energiefluss.
Ursache: Schuss als „Ereignis“ statt als Prozess.

5. Falsche Ausrüstung

Zuggewicht zu hoch, Pfeil nicht abgestimmt.
Folge: Kompensationshaltungen.
Ursache: fehlender Rohschafttest.


Handwerkliche Lösungen – keine Esoterik

Trockenübungen mit Thera-Band

Trainiere das weiche, gleichmäßige Entspannen der Finger – ohne aktives „Loslassen“.

Wall Drill gegen Plucking

Stelle dich an eine Wand. Die Sehnenhand darf die Wand nicht berühren – so bleibt sie gerade.

Videoanalyse

Prüfe: Bewegt sich die Sehnenhand gerade nach hinten? Oder seitlich weg?

Schuss mit geschlossenen Augen

Reduziert visuelle Ablenkung. Fördert kinästhetische Wahrnehmung.

Strukturierte Schussroutine

Analyse → Vorbereitung → Schussaufbau → Zulassen → Beobachtung.
Klarheit statt Kontrolle.


Was nicht hilft

  • Klicker: stören das natürliche Zulassen – sie gehören zum visierten Schießen.
  • „Entspann dich!“: ist keine Anleitung – sondern eine Floskel.
  • Mentaltraining oder Visualisierung: lenken vom Handwerk ab. Der Schuss entsteht im Körper – nicht im Kopf.

Für wen ist dieser Beitrag?

  • Für Anfänger, die von Anfang an richtig lernen wollen.
  • Für Erfahrene, die merken, dass etwas fehlt – und es nicht benennen können.
  • Für Schüler der Mellansken Bågskola in Stockholm – und alle, die instinktiv Bogenschießen handwerklich verstehen möchten.

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in kleinen Gruppen, im Wald, ohne Esoterik.
Keine Vorkenntnisse nötig.

Kursanfrage / Course inquiry / Kursförfrågan

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